Sichtbar sein - trotz Verletzlichkeit

Sichtbar zu werden klingt für viele nach Mut und Selbstvertrauen. 

Aber für manche von uns fühlt es sich ganz anders an: nach Nacktheit, nach Enge, nach Zweifeln und nach einem inneren Alarm, der losgeht, sobald wir uns zeigen wollen. Es ist wie eine Wand, die sich hochzieht, sobald wir erstrahlen wollen. Als wenn wir unbewusst Angst davor hätten, dass sich jemand von unserem Licht geblendet fühlen könnte. Kommt dir das bekannt vor?

Jahrelang ging dieser Alarm auch bei mir los. Vor allem dann, wenn es darum ging, mich von innen heraus zu zeigen – mit dem, was mich WIRKLICH ausmacht, innerlich bewegt, mich aus der Tiefe meines Herzens begeistert und antreibt. 

Und auch heute noch spüre ich diese innere Vorsicht, diese leise innere Zurückhaltung – besonders, wenn ich spüre, dass mich Menschen ohnehin nicht verstehen oder meine innere Haltung gegenüber dem Leben bewerten könnten. 

Früher verurteilte ich mich dafür innerlich, weil ich nicht verstand: Warum konnte ich nicht meine Wahrheit aussprechen, meine Bedürfnisse kommunizieren und meinen Platz einzunehmen – genau dann, wenn es gefühlt darauf ankam? Warum brachte ich keinen Ton heraus, wenn es darum ging, für mich einzustehen und mich zu behaupten? 

Warum sich Sichtbarkeit so bedrohlich anfühlen kann

Erst heute verstehe ich, dass mein innerer Rückzug nie ein Zeichen von Schwäche war, wie ich dachte. Es war ein sehr intelligenter Schutz. Ein Schutzmechanismus, der mir noch als ich ein Kind war einmal gedient hatte. 

Es gibt nur leider einen kleinen evolutionsbedingten Haken bei unseren eigentlich sehr intelligenten Schutzmechanismen, die uns einst zum Überleben verhalfen: 

Sie wissen nicht, dass die reale Gefahr vorbei ist. Selbst dann nicht, wenn wir das mit unserem Verstand erkennen. Stattdessen verstehen sie erst, dass es vorbei ist, wenn wir wiederholte körperliche Erfahrungen machen, die unserem System beweisen, dass wir wieder in Sicherheit sind. Und dass es SICHER ist, wir selbst zu sein. 

Und so aktivierte sich mein innerer Schutzmechanismus jahrelang immer dann, wenn es darum ging, mich zu zeigen. Doch anstatt mich vor einer realen, sichtbaren Gefahr zu schützen, entfernte es mich von mir selbst. Schließlich war mir auch nicht bewusst, was sich da innerlich eigentlich in mir abspielte. Alles was mir in dieser Zeit bewusst war, war, dass ich mich irgendwie kleingehalten habe. 

Ich habe mich jahrelang kleingehalten. 

Nicht bewusst, sondern aus einem tiefen inneren Versuch heraus, sicher zu sein. Ich ging einen Weg, weil ich glaubte, dass ich ihn gehen sollte – angepasst, möglichst konfliktfrei.

Ich sprach meine Meinung selten aus, weil ich dachte, dass Schweigen mir inneren Frieden bringen würde. Ich saß oft hinten, allein, mit der stillen Angst, irgendwie nicht wirklich dazuzugehören. Schon die Vorstellung, mich in einer Gruppe vorzustellen, ließ mich innerlich erstarren. Viele Menschen hielten mich für unnahbar, dabei war die Wahrheit eine ganz andere: Ich war mir selbst nicht nah.

Mich zu zeigen, mich mitzuteilen, meine Wahrheit auszusprechen fühlte sich über Jahre hinweg lebensbedrohlich an – nicht im übertragenen Sinn, sondern ganz real in meinem Körper. Mein Herz raste, meine Knie zitterten, meine Stimme wurde mit jedem weiteren Satz leiser.

Mein Nervensystem war im Überlebensmodus, auch wenn objektiv keine Gefahr da war.

Heute weiß ich: Das war kein Persönlichkeitsmerkmal, das es „wegzumachen“ galt, was ich jahrelang erfolglos versucht hatte^^. Sondern eine erlernte Überlebensstrategie. 

Das ist übrigens auch damit gemeint, wenn wir auf Zitaten immer wieder lesen „Unsere Gefühle sind unsere Freunde“. Denn genau das sind sie tatsächlich – auch, wenn sich das nicht immer so anfühlt. 

Der Ruf, mich endlich zu zeigen

Gleichzeitig war da etwas in mir, das sich nicht mehr überhören ließ. Ein tiefer innerer Ruf nach Freiheit, nach Lebendigkeit, nach einem erfüllten Leben, das sich wirklich nach mir anfühlt. 

Jahrelang konnte ich diesen Ruf nicht einordnen. Ich fühlte mich einfach nur rastlos. Sprang von einem Beruf in den nächsten, immer in der Hoffnung, dass ich endlich das finden würde, wonach ich suchte. Intuitiv spürte ich, dass ich diese inneren Zustände durch eine spezielle Aufgabe (Meine Seelenaufgabe) in meinem Leben erlangen würde. 

Was mir damals auch noch nicht bewusst war: dass ich diese Aufgabe niemals im Außen und in einem Unternehmen finden würde. Sondern sie von innen heraus erschaffen musste. So entstand 2019 mein erster Blog „Voninnenheraus – Lebe dich selbst“, der eine monatliche Besucherzahl von knapp 1.000 Lesern erreicht hatte, und später mein erster YouTube Kanal. 

Doch ein Jahr später löschte ich alles – samit meiner gesamten so leidenschaftlich aufgebauten Herzenscommunity, was ich heute noch, so schwer ich es zugebe, bedauere. Zu meinen Beweggründen komme ich später in diesem Artikel. 

Meine Seele rief mich in die Sichtbarkeit – nicht, um laut zu sein oder etwas darzustellen, sondern um Ich selbst zu werden. 

Der erste Schritt und auch die ersten Wochen und Monate auf diesem Weg waren alles andere als leicht, weil sie mich mit dem Teil in mir immer und immer wieder konfrontierten, den ich schließlich mein Leben lang verborgen hielt:

Den verletzlichen Teil

Den tiefsinnigen, sensiblen, spirituellen, intuitiven Teil. 

Scham, Zweifel und alte Ängste begleiteten mich bei fast jedem Post. Und doch konnte und wollte ich nicht mehr zurück, weil ich wusste, dass ich nur zwei Optionen hatte: Mich weiterhin anpassen und verstecken – oder mich zu zeigen und mich selbst zu leben, von innen heraus. 

Sichtbar zu bleiben heißt: Sich selbst nicht mehr zu verlassen.

Also blieb ich sichtbar, auch wenn es sich für mein System unsicher anfühlte. Gerade das war entscheidend. Denn Sicherheit entsteht nicht dadurch, dass wir uns weiter verstecken, sondern dadurch, dass wir neue Erfahrungen machen, während wir wir selbst bleiben.

Mit der Zeit begann ich, meine Verletzlichkeit nicht mehr als Schwäche zu sehen, sondern als einen neuen Zugang zu mir selbst. 

Ich ging in Kontakt mit dem Teil in mir, der mich so lange von mir selbst getrennt hatte – dem Teil, der gelernt hatte, dass Anpassung sicherer ist als Wahrheit. Sichtbarkeit wurde für mich zur Brücke. Zwischen dem alten Ich, das klein, getrennt und vorsichtig war, und dem Ich, das frei, lebendig und verbunden sein wollte. 

Doch mein Weg in die Sichtbarkeit führte mich nach 12 Monaten heraus aus der „Online-Sichtbarkeit“ – damit ich erkennen konnte, dass Sichtbarkeit nicht unbedingt etwas mit der virtuellen Welt wie einem YouTube oder Instagram-Post zu tun haben muss. Sondern, dass sie dort beginnt, wo wir am allermeisten Angst haben, uns verletzlich zu zeigen. Und das war für mich in der Liebe

Als vor fünf Jahren mein Ehemann in mein Leben kam, dachte ich mein innerer Ruf, mich online weiterhin zu zeigen, sei verblasst. Es war einfach nicht mehr dieser innere Drive da und es fühlte sich für mich stimmiger an, vorerst meine Online-Sichtbarkeit zu beenden. 

Heute ist mir klar, dass der Weg in die Sichtbarkeit kein linearer Weg sein muss. Manchmal führt er uns wieder zurück in unsere „Höhle“, damit wir die Sichtbarkeit wieder auf uns selbst und unser Inneres richten. So wie es bei mir der Fall war. Gleichzeitig spürte ich, dass die Zeit wieder kommen würde, in der ich wieder nach außen gehe – in Form dieses Blogs, meines Instagram– und YouTube-Kanals

Sichtbar zu sein bedeutet für mich heute, das zu leben, was ich jahrelang unterdrückt habe. Meiner Ganzheit Raum zu geben. Gefühle, Bedürfnisse, Grenzen und Wahrheiten nicht länger zu verleugnen. Und vor allem: meinem Herzen, das mich ruft, diesen Weg weiterhin zu gehen, zu vertrauen. Auch, wenn ich immer noch oft Angst vor dem Unbekannten habe. 

Ich lerne immer mehr, dass es sicher ist, ich selbst zu sein. Nicht nur in geschützten Räumen oder im Alleinsein, sondern in Beziehungen, im Beruf, in der Online-Welt.

Und darauf, zu vertrauen, dass sich mein Weg immer für mich entwickelt – auch, wenn sich das nicht immer so anfühlt. 

Wenn sich das Innen wandelt, wandelt sich auch das Außen

Das größte Geschenk auf diesem Weg ist für mich die Erkenntnis, dass sich auch das Leben im Außen verändert, wenn wir beginnen, uns selbst zu leben. 

Nicht, weil dann alles leicht wird, sondern weil es wahr wird. Denn es ist nicht so, dass wir alles verlieren, wenn wir uns selbst befreien. Wir verlieren nur das, was nie wirklich zu uns gehört hat. So verlor ich beispielsweise damals meinen Job, weil ich begann, mich immer mehr zu zeigen, statt weiterhin anzupassen, und meine Meinung und Bedürfnisse zu äußern. Und allmählich öffnete sich ein neuer Weg für mich, in dem ich mein „neues, befreites Selbst“ weiterhin leben konnte. 

In dem Moment, in dem wir uns FÜR uns entscheiden und wir beschließen, konsequent unsere Wahrheit zu leben, setzen wir ein kraftvolles Statement ans Leben. Denn das Leben ist ein Spiegel unserer eigenen Limitierungen – aber auch unserer inneren Freiheit. 

Je freier wir innerlich werden, desto freier werden wir auch äußerlich. Denn wir beginnen dann klarer zu spüren, was wirklich zu uns gehört – und was wir nur aus Angst, Anpassung oder alten Loyalitäten leben. Diese innere Klarheit führt dazu, dass wir tief stimmige Entscheidungen für uns und unser Leben treffen. Und stimmige Entscheidungen verändern mit der Zeit unser äußeres Leben: Beziehungen, Berufsleben, bis hin zum kompletten äußeren Umfeld.

Je freier wir innerlich werden, desto weniger lassen wir uns innerlich gefangen halten. Und paradoxerweise ist genau das der Moment, in dem sich auch im Außen etwas zu verschieben beginnt. Unser ganzes Leben beginnt sich neu zu orchestrieren. Anfangs wird es vielleicht etwas unbequemer – aber dafür auf lange Sicht wahrhaftiger. 

Und wir gewinnen das zurück, was uns von Geburt an zusteht: Freiheit, Freude und Erfüllung. Sie liegen nicht im Außen. Sie warten in unserem Herzen – darauf, dass wir den Mut finden, unser wahres Selbst zu entfachen.

Vielleicht kennst auch du dieses innere Zurückhalten, dieses Gefühl, dich klein zu machen, um sicher zu bleiben. Nimm dir einen Moment und spüre nach: Wo in deinem Leben hältst du dich gerade noch zurück – nicht, weil du es willst, sondern weil es sich vertrauter anfühlt? Du musst nichts sofort verändern und keine Antworten jetzt darauf finden. Es reicht, ehrlich hinzuhören. Denn Sichtbarkeit beginnt nicht mit einem großen Schritt nach außen, sondern mit einem leisen Hinhören und Hinfühlen nach innen.

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Hallo, ich bin Marta.

Mama, Erinnerin, Raumhalterin für das Tiefe und Echte in uns

Früher suchte ich nach Freiheit.
Heute weiß ich: Freiheit bedeutet, sich selbst kompromisslos ein Ja zu geben.
Auf meinem Blog teile ich meine Gedanken und Erfahrungen über den Herzensweg, die Sichtbarkeit mit der Herzensaufgabe, und den Mut, den eigenen Weg zu gehen.
Meine Worte sind Einladungen, dem Ruf des eigenen Herzens zu folgen und sich selbst in seiner vollen Größe und Kraft zu leben – von innen heraus.

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